Nicht-binäre Identitäten im Alltag
Was nicht-binär bedeutet, welche rechtlichen Möglichkeiten das SBGG bietet, wie Anrede und Pronomen funktionieren und wie man mit binären Formularen, Behörden und dem Alltag umgeht.
Nicht alle Menschen sind ausschließlich Mann oder Frau. Nicht-binäre Personen ordnen sich dazwischen, jenseits davon oder ganz unabhängig von dieser Einteilung ein. Dieser Artikel sammelt das Wichtigste für den Alltag. Grundbegriffe erklärt der Artikel Trans* Begriffe.
Was nicht-binär bedeutet
Nicht-binär ist ein Sammelbegriff für geschlechtliche Identitäten, die sich nicht (nur) als männlich oder weiblich verstehen. Manche fühlen sich teils männlich und teils weiblich, manche geschlechtslos, manche fließend. Jede:r definiert das für sich selbst – es gibt keine „richtige“ Art, nicht-binär zu sein.
Rechtliche Möglichkeiten
Das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) erlaubt es, den Geschlechtseintrag auf „divers“ zu setzen oder ihn streichen zu lassen – per Erklärung beim Standesamt. Auch die Vornamen können entsprechend angepasst werden. Den Ablauf beschreiben die Artikel Personenstandsänderung und Namensänderung.
Anrede und Pronomen
Welche Anrede passt, ist individuell: Manche nutzen „sie“, „er“, abwechselnd beides, Neopronomen (z. B. „dey/deren“) oder den bloßen Namen ohne Pronomen. Frag im Zweifel freundlich nach und respektiere die Antwort. Mehr dazu im Artikel Pronomen & Anrede.
Umgang mit binären Formularen und Behörden
Viele Formulare und Systeme kennen nur „weiblich/männlich“. Das ist mühsam, aber lösbar:
- „Divers“ einfordern, wo es die Option geben muss (Behörden, viele Online-Dienste).
- Ergänzungsausweis der dgti – ein nicht-amtliches, aber vielerorts anerkanntes Dokument, das den selbst gewählten Namen, das Pronomen und die Anrede ausweist und Alltagssituationen erleichtert.
- Auf das Offenbarungsverbot hinweisen, wenn alte Daten unnötig auftauchen.
Im Alltag
Sichtbarkeit kann schön und anstrengend zugleich sein. Misgendering passiert – durch Unwissen oder Gewohnheit. Du darfst korrigieren, du darfst aber auch Situationen aussuchen, in denen dir das die Energie wert ist. Selbstfürsorge und unterstützende Räume helfen, siehe Mentale Gesundheit & Trans* sein.
Anlaufstellen
- Bundesverband Trans* (externer Link, öffnet in neuem Tab) – Informationen und Beratung
- dgti e.V. – Ergänzungsausweis und Beratung
- Lokale queere Zentren – Gruppen speziell für nicht-binäre Menschen
- Online-Community – Austausch, auch in diesem Forum
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung.