Identität

Glossar: Gängige trans* Begriffe

Von AFAB bis Transition – die wichtigsten Begriffe rund um trans* Identitäten, Alltag, Medizin und Recht verständlich erklärt. Inklusive veralteter Begriffe, die du besser vermeidest.

GlossarBegriffeSpracheIdentitätGrundlagen
Aktualisiert: 2026-06-07

Rund um trans* Themen gibt es viele Begriffe – manche neu, manche im Wandel, manche veraltet. Dieses Glossar erklärt die gängigsten. Zwei Dinge vorweg:

  1. Sprache verändert sich. Was heute üblich ist, kann morgen überholt sein. Dieses Glossar bildet den aktuellen Sprachgebrauch ab und wird gepflegt – Stand siehe oben.
  2. Selbstbezeichnung geht vor. Wenn eine Person einen bestimmten Begriff für sich verwendet (oder ablehnt), gilt das – unabhängig davon, was in einem Glossar steht.

Grundbegriffe

  • Geschlechtsidentität – das tief empfundene innere Wissen einer Person um ihr eigenes Geschlecht. Sie kann mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmen (cis) oder nicht (trans*).
  • Bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht – das Geschlecht, das einer Person bei der Geburt – meist anhand körperlicher Merkmale – zugeordnet und in die Geburtsurkunde eingetragen wurde. Die Formulierung ersetzt unpräzise Begriffe wie „biologisches Geschlecht“ oder „Geburtsgeschlecht“.
  • AFAB / AMAB – englische Abkürzungen für assigned female at birth (bei der Geburt weiblich zugewiesen) und assigned male at birth (bei der Geburt männlich zugewiesen). Praktisch, um über Körper und Zuweisungen zu sprechen, ohne Identitäten falsch zu benennen.
  • Geschlechtsausdruck (auch: Geschlechtspräsentation) – wie eine Person ihr Geschlecht nach außen zeigt: Kleidung, Frisur, Stimme, Körpersprache, Name. Der Geschlechtsausdruck kann, muss aber nicht den gesellschaftlichen Erwartungen an die Geschlechtsidentität entsprechen – eine maskulin auftretende Frau ist deshalb nicht weniger Frau.
  • Geschlechtsidentität ≠ sexuelle Orientierung – wer du bist, ist unabhängig davon, wen du liebst oder begehrst. Trans* Menschen können hetero, lesbisch, schwul, bi, pan oder asexuell sein – genau wie cis Menschen.

Identitäten und Selbstbezeichnungen

  • trans* – Sammelbegriff für alle Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht (oder nicht vollständig) dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht. Das Sternchen steht als Platzhalter für die Vielfalt der Identitäten und Bezeichnungen – analog zur Suche am Computer, wo trans* alles findet, was mit „trans“ beginnt.
  • trans Frau – eine Frau, der bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. „Trans“ ist dabei ein Adjektiv: Eine trans Frau ist eine Frau.
  • trans Mann – ein Mann, dem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. „Trans“ ist auch hier ein Adjektiv: Ein trans Mann ist ein Mann.
  • transgeschlechtlich, transident, transgender – weitgehend gleichbedeutende Begriffe; welcher bevorzugt wird, ist regional und persönlich verschieden. „Transident“ betont die Identität, „transgeschlechtlich“ ist die deutsche Entsprechung zu „transgender“. Alle drei werden als Adjektiv verwendet – nicht als Substantiv („ein Transgender“ ist falsch).
  • nicht-binär (englisch: non-binary, kurz: enby) – Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht oder nicht ausschließlich als Mann oder Frau verorten. Nicht-binär ist ein Spektrum, keine „dritte Schublade“. Viele nicht-binäre Menschen verstehen sich als Teil des trans* Spektrums, manche nicht.
  • genderfluid – die Geschlechtsidentität ist nicht konstant, sondern verändert sich – etwa zwischen männlich, weiblich und nicht-binär.
  • agender – Menschen, die keine Geschlechtsidentität haben oder sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen.
  • demigender (z. B. demigirl, demiboy) – Menschen, die sich nur teilweise mit einem Geschlecht identifizieren.
  • genderqueer – ältere, weiterhin gebräuchliche Selbstbezeichnung für Identitäten jenseits der Zweigeschlechtlichkeit; teils synonym zu nicht-binär, teils bewusst politischer gemeint.
  • cis / cisgeschlechtlich – Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Das Gegenstück zu trans – und sprachlich wichtig, weil es „normal“ als Gegenbegriff ersetzt: Es gibt cis Frauen und trans Frauen, nicht „normale“ Frauen und trans Frauen.
  • inter* / intergeschlechtlich – Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht den medizinischen Normvorstellungen von „männlich“ oder „weiblich“ entsprechen. Inter* ist eine Frage des Körpers, trans* eine der Identität – beides kann zusammen auftreten, ist aber nicht dasselbe. Das Gegenstück heißt endogeschlechtlich.
  • queer – Sammelbezeichnung für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und weitere Menschen jenseits heteronormativer Erwartungen; auch eigenständige Selbstbezeichnung.
  • FLINTA* – Abkürzung für Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen. Bezeichnet meist Räume oder Veranstaltungen, die allen offenstehen, die von Sexismus betroffen sind – nur cis Männern nicht.

Alltag und soziales Umfeld

  • Coming-out – der Prozess, sich der eigenen Identität bewusst zu werden (inneres Coming-out) und sie anderen mitzuteilen (äußeres Coming-out). Mehr dazu im Artikel Coming Out.
  • Outing / Fremdouting – wenn Dritte die trans* Identität einer Person ohne deren Einverständnis weitergeben. Ein Fremdouting kann Beziehungen, Jobs und im Extremfall die Sicherheit gefährden – ob, wann und wem gegenüber sich jemand outet, entscheidet allein die Person selbst.
  • Deadname – der abgelegte frühere Vorname. Ihn weiter zu verwenden (Deadnaming) ist verletzend – egal ob aus Versehen oder Absicht. Nach der rechtlichen Namensänderung schützt zudem das Offenbarungsverbot (siehe unten).
  • Misgendern – eine Person mit falschem Pronomen, falscher Anrede oder falscher Geschlechtszuordnung ansprechen oder über sie sprechen. Wie du damit umgehst, wenn es dir passiert, steht im Artikel Allyship.
  • Pronomen / Neopronomen – sie/ihr, er/ihm, englisch they/them oder Neopronomen wie dey/dem und xier/xiem. Ausführlich im Artikel Pronomen & Anrede.
  • gelesen werden – wie das Umfeld das Geschlecht einer Person spontan wahrnimmt („sie wird als Frau gelesen“). Das Lesen sagt etwas über die Wahrnehmung der anderen aus – nicht über die Identität der Person.
  • Passing – eine trans* Person wird durchgängig als ihr Geschlecht gelesen, ohne als trans* erkannt zu werden. Für viele ist Passing wichtig für Sicherheit und Wohlbefinden. Der Begriff ist zugleich umstritten, weil er nahelegt, es gebe ein „Bestehen“ an cis Maßstäben – niemand muss „passen“, um die eigene Identität gültig zu machen.
  • stealth – eine trans* Person lebt nach der Transition, ohne dass ihr Umfeld von ihrer trans* Vergangenheit weiß. Eine legitime persönliche Entscheidung, kein „Verheimlichen“.
  • Ally / Allyship – Menschen, die nicht selbst trans* sind, trans* Personen aber aktiv unterstützen. Was das konkret heißt, steht im Artikel Allyship.

Transition

Transition bezeichnet den Prozess, das eigene Leben mit der Geschlechtsidentität in Übereinstimmung zu bringen. Sie ist individuell: Es gibt keine Pflicht-Schritte, keine feste Reihenfolge und keinen Punkt, an dem sie „vollständig“ sein muss. Üblich ist die Unterscheidung in drei Bereiche:

Begriffe rund um die Transition:

  • HRT – Hormone Replacement Therapy, die Hormontherapie mit Östrogen (und ggf. Testosteronblockern) oder Testosteron. Grundlagen im Artikel HRT Grundlagen.
  • Geschlechtsangleichende Operation (GaOP) – Oberbegriff für Eingriffe wie Mastektomie, Vaginoplastik, Phalloplastik oder Brustaufbau. Der ältere Begriff „geschlechtsumwandelnde Operation“ ist falsch (siehe unten). Übersicht im Artikel Chirurgische Eingriffe.
  • Binding / Binder – das Abbinden der Brust mit einem speziellen Kompressionsoberteil für eine flache Silhouette. Sicherheitshinweise im Artikel Binden & Binding.
  • Tucking – Techniken, um Penis und Hoden unauffällig zu positionieren. Mehr im Artikel Tucking.
  • Packer – eine Penisprothese, die in der Unterwäsche getragen wird, um eine Wölbung zu erzeugen; manche Modelle ermöglichen Stehpinkeln oder sind für Sexualität geeignet.
  • Detransition / Retransition – das Rückgängigmachen oder Verändern von Transitionsschritten. Das ist selten und hat unterschiedlichste Gründe – Studien zufolge häufig äußere wie Diskriminierung oder fehlende Unterstützung, seltener eine veränderte Identität. Menschen, die detransitionieren, verdienen denselben Respekt und dieselbe gute Versorgung.

Medizin und Psychologie

  • Geschlechtsinkongruenz – der medizinische Begriff dafür, dass Geschlechtsidentität und zugewiesenes Geschlecht nicht übereinstimmen. International ist dafür in der ICD-11 der Code HA60 vorgesehen – dort gilt Geschlechtsinkongruenz nicht mehr als psychische Störung. Wichtig für Deutschland: Hier ist weiterhin die ICD-10-GM maßgeblich; abgerechnet und diagnostiziert wird mit F64.0. Die Umstellung auf die ICD-11 steht noch aus.
  • Geschlechtsdysphorie – der Leidensdruck, der durch die Inkongruenz entstehen kann: Unwohlsein mit dem Körper, mit der Wahrnehmung durch andere oder mit der zugewiesenen Rolle. Nicht jede trans* Person erlebt (durchgehend) Dysphorie.
  • Geschlechtseuphorie – das Gegenstück: die Freude und Stimmigkeit, wenn Körper, Ausdruck und Wahrnehmung zur Identität passen – etwa beim richtigen Pronomen oder nach Transitionsschritten.
  • Indikation / Stellungnahme – das Schreiben von Psychotherapeut:in oder Psychiater:in, das die medizinische Notwendigkeit einer Maßnahme bestätigt; wird für die Kostenübernahme gebraucht. Details im Artikel Gutachten & Stellungnahmen.
  • Trans* Lebenslauf – der biografische Lebenslauf, den Medizinischer Dienst und Therapeut:innen häufig anfordern. Mehr dazu (inkl. Vorlage) im Artikel Der trans* Lebenslauf.
  • S3-Leitlinie – die wissenschaftliche Behandlungsleitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit“ (AWMF), an der sich Behandler:innen und der Medizinische Dienst orientieren.

Recht

  • SBGG (Selbstbestimmungsgesetz) – seit dem 1. November 2024 in Kraft. Vorname und Geschlechtseintrag werden per Erklärung beim Standesamt geändert – ohne Gutachten, Diagnose oder Gerichtsverfahren.
  • TSG (Transsexuellengesetz) – regelte von 1981 bis Oktober 2024 die Namens- und Personenstandsänderung über Gerichtsverfahren mit zwei Gutachten. Vom SBGG abgelöst; alte TSG-Beschlüsse bleiben gültig. Zur Geschichte siehe Gutachten & Stellungnahmen.
  • Offenbarungsverbot – das Verbot, frühere Vornamen oder den früheren Geschlechtseintrag ohne Einwilligung offenzulegen (§ 13 SBGG). Verstöße in Schädigungsabsicht können mit Bußgeld geahndet werden.
  • Ergänzungsausweis (dgti) – ein von der dgti e.V. ausgestellter Zusatzausweis mit selbstgewähltem Namen, Geschlecht und Pronomen samt Lichtbild. Überbrückt die Zeit, bis offizielle Dokumente geändert sind, und wird von vielen Behörden und Unternehmen anerkannt.
  • Personenstand / Geschlechtseintrag – der amtlich registrierte Eintrag (weiblich, männlich, divers oder ohne Angabe). Details im Artikel Personenstandsänderung.

Diskriminierung benennen

  • Transfeindlichkeit (auch: Transphobie) – Abwertung, Ausgrenzung oder Gewalt gegenüber trans* Menschen – von „Witzen“ über absichtliches Misgendern bis zu körperlichen Übergriffen. „Transfeindlichkeit“ ist der präzisere Begriff, da es sich um Ablehnung handelt, nicht um eine Angststörung.
  • Trans-Misogynie – die spezifische Verschränkung von Transfeindlichkeit und Frauenfeindlichkeit, die sich gegen trans Frauen und transfeminine Personen richtet.
  • Cissexismus – die strukturelle Annahme, cis zu sein sei normal und trans* zu sein die erklärungsbedürftige Abweichung – etwa wenn Formulare nur zwei Geschlechter kennen oder trans* Identitäten ständig „bewiesen“ werden müssen.
  • TERFtrans-exclusionary radical feminist: Bezeichnung für Personen, die unter feministischem Vorzeichen trans Frauen aus Frauenräumen und dem Feminismus ausschließen wollen.

Veraltete und problematische Begriffe

Diese Begriffe begegnen dir noch – in alten Texten, Medien oder Behördensprache. Gut zu wissen, was dahintersteckt und was du stattdessen sagst:

  • „Transsexualität“ / „transsexuell“ – medizinisch geprägter Begriff aus einer Zeit, in der trans* Sein als Krankheit galt; zudem führt „-sexualität“ in die Irre, weil es nicht um Sexualität geht. Heute sagt man transgeschlechtlich, trans* oder transident. Aber: Manche – vor allem ältere – trans* Menschen verwenden „transsexuell“ bewusst als Selbstbezeichnung. Das ist zu respektieren.
  • „Geschlechtsumwandlung“ – sachlich falsch: Das Geschlecht wird nicht umgewandelt – es war immer da. Angeglichen wird der Körper. Richtig: geschlechtsangleichende Operation/Maßnahme.
  • „Transvestit“ – veralteter, heute abwertender Begriff. Davon abgesehen beschreibt er etwas anderes als trans*: Menschen, die zeitweise Kleidung eines anderen Geschlechts tragen (heute: Crossdressing), ohne dass ihre Geschlechtsidentität davon berührt ist. Crossdressing macht niemanden trans* – und trans* Frauen sind keine „Männer in Frauenkleidern“.
  • „Ein Transgender“ / „der Transgender“ – trans, transgender und transident sind Adjektive, keine Substantive. Richtig: eine trans Person, ein transgeschlechtlicher Mann.
  • „Biologischer Mann / biologische Frau“ – unpräzise und meist abwertend gemeint. Biologisches Geschlecht ist selbst vielschichtig (Chromosomen, Hormone, Anatomie – die nicht immer übereinstimmen). Präziser: bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht bzw. AFAB/AMAB, wenn es medizinisch relevant ist.
  • „Im falschen Körper geboren“ – ein verbreitetes Bild, das manche trans* Menschen für sich passend finden, viele aber nicht: Ihr Körper ist nicht „falsch“, sondern ihrer. Verwende es nicht ungefragt für andere.
  • „Umoperieren“ / „richtige Frau / richtiger Mann“ – Formulierungen, die Identität an Operationen knüpfen. Ob jemand operiert ist, geht niemanden etwas an und ändert nichts an der Identität.

Schreibweisen: trans, trans* oder Transfrau?

  • trans als Adjektiv, kleingeschrieben: „eine trans Frau“, „ein trans Mann“ – so empfehlen es die meisten Verbände, weil „trans“ eine Eigenschaft beschreibt wie „groß“ oder „blond“. Die Schreibweise „Transfrau“ ist verbreitet, rückt das Trans-Sein aber vor das Frau-Sein.
  • trans* mit Sternchen: als Sammelbegriff für das gesamte Spektrum (so auch auf dieser Website). Im Fließtext für einzelne Personen genügt „trans“.
  • Im Zweifel: Schreib so, wie die Person es selbst tut.

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Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch keine individuelle Rechts-, Medizin- oder Sozialberatung. Wende dich bei konkreten Fragen an eine Fachperson oder Beratungsstelle.

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